Die fünf schönsten Wanderungen auf Tasmanien
Tasmanien ist eine Insel zum Erwandern. Auf engstem Raum drängen sich hier Dinge zusammen, für die man anderswo Kontinente durchqueren müsste: gezackte Doleritgipfel, uralter Regenwald, die höchsten Meeresklippen der Südhalbkugel und Buchten, deren Sand so weiß ist, dass er fast blendet. Wer im tasmanischen Winter – also zwischen Juni und August – hier unterwegs ist, hat viele dieser Wege fast für sich allein. Und wer schon jetzt die kommende Wandersaison ab Oktober plant, sollte die spektakulärsten Routen ohnehin früh im Blick haben, denn die begehrtesten Tracks sind schnell ausgebucht.
Wir haben fünf Wanderungen herausgesucht, die jede für sich einen anderen Charakterzug der Insel zeigen – vom kurzen Halbtagesausflug bis zur mehrtägigen Hüttentour. Für Individualreisende, die lieber selbst entscheiden, wann sie losgehen und wo sie verschnaufen.
1. Wineglass Bay Lookout & Hazards Beach Circuit (Freycinet)
Es gibt diesen einen Ausblick, der auf praktisch jedem Tasmanien-Plakat klebt – und ausnahmsweise hält er, was er verspricht. Vom Sattel zwischen den rosafarbenen Granitbergen Mount Amos und Mount Mayson öffnet sich der Blick auf die perfekte Sichel der Wineglass Bay. Bis zum Lookout sind es nur rund 1,5 Stunden hin und zurück, doch wer Zeit und Kondition hat, hängt den vollen Hazards-Beach-Rundweg an: knapp 12 Kilometer, etwa vier bis fünf Stunden, vorbei am Strand der Wineglass Bay und über die ruhigere Westseite der Halbinsel zurück.
Der Freycinet-Nationalpark liegt an der Ostküste, gut zweieinhalb Autostunden von Hobart. Im Frühling (September/Oktober) blüht die Küstenheide, im Winter sind die Wege menschenleer – nur kalt und manchmal windig. Mehr zur Region gibt es in unserem Beitrag über Wineglass Bay im September.
2. Cape Hauy (Tasman National Park)
Wenn es eine Wanderung gibt, die das Herz von Höhenangst-Geplagten höherschlagen lässt, dann diese. Cape Hauy auf der Tasman-Halbinsel ist rund 10 Kilometer lang (hin und zurück, etwa vier Stunden) und führt über unzählige, exzellent ausgebaute Steinstufen hinaus auf eine schmale Landzunge. Das Finale: ein Pfad, der auf einer Felsnadel hoch über dem tosenden Meer endet, flankiert von den berühmten Dolerit-Säulen „Totem Pole" und „Candlestick", an denen sich Kletterer aus aller Welt versuchen.
Cape Hauy ist zugleich die spektakulärste Tagesetappe des großen Three Capes Track (siehe unten) und von Fortescue Bay aus auch einzeln begehbar. Von Hobart fährt man rund 1,5 Stunden bis zur Tasman-Halbinsel – gut kombinierbar mit einem Abstecher zur historischen Sträflingssiedlung Port Arthur.
3. Dove Lake Circuit & Cradle Mountain (Cradle Mountain–Lake St Clair)
Im UNESCO-Welterbe im zentralen Hochland thront der gezackte Cradle Mountain über dem spiegelglatten Dove Lake. Der Dove Lake Circuit umrundet den See auf gut sechs Kilometern (etwa zwei bis drei Stunden) und ist die wohl meistfotografierte Wanderung der Insel – flach genug für jeden, schön genug für alle. Wer fitter und schwindelfrei ist, nimmt den anstrengenden Aufstieg zum Gipfel selbst in Angriff (sechs bis acht Stunden, teils kletternd über Felsblöcke).
Im Winter verwandelt sich das Hochland in eine verschneite Wildnis – atemberaubend, aber anspruchsvoll. Wie sich das anfühlt, beschreiben wir im Wintermärchen am Cradle Mountain. Hinweis: Zum Dove Lake gelangt man von der Parkgrenze aus nur per Shuttlebus.
4. Three Capes Track (mehrtägig, Tasman-Halbinsel)
Für alle, die das Wandern nicht nach einem Tag beenden möchten: Der Three Capes Track ist Tasmaniens komfortabelste Mehrtagestour. Über vier Tage und drei Nächte legt man rund 48 Kilometer zurück, übernachtet in modernen, gut ausgestatteten Hütten und wandert durch hohe Eukalyptuswälder, Küstenheide und entlang der höchsten Meeresklippen der Südhalbkugel. Die Tour beginnt mit einer Bootsfahrt ab Port Arthur und ist so angelegt, dass auch ambitionierte Einsteiger sie schaffen.
Der Track lässt sich das ganze Jahr gehen – im Winter trifft man auf weniger Menschen und dafür auf eine fast meditative Stille über den Klippen. Wichtig: Die Plätze sind kontingentiert und müssen vorab über den Parks & Wildlife Service Tasmania gebucht werden. Wer für die Sommersaison plant, sollte jetzt reservieren.
5. Russell Falls & Tall Trees Walk (Mount Field National Park)
Nicht jede großartige Wanderung muss anstrengend sein. Im Mount Field National Park, nur gut eine Autostunde nordwestlich von Hobart, führt ein bequemer Rundweg in unter einer Stunde zu den dreistufigen Russell Falls – einem der fotogensten Wasserfälle Australiens, eingebettet in tiefgrünen Regenwald mit meterhohen Baumfarnen. Wer mag, verlängert über den Tall Trees Walk zu den Swamp Gums, den höchsten Blütenpflanzen der Welt.
Gerade im feuchten Winter führen die Fälle besonders viel Wasser, und an manchen Abenden glimmen im Wald sogar Glühwürmchen. Der Park ist die perfekte Ergänzung für alle, die Hobart als Basis nutzen – etwa rund um das Antarctic Festival im August.
Praktische Tipps
- Beste Reisezeit: Hauptwandersaison ist der australische Sommer (Dezember–Februar). Der Winter (Juni–August) belohnt mit leeren Wegen, verlangt aber warme, wetterfeste Kleidung und kurze Tageslichtfenster.
- Wetter: Tasmaniens Wetter wechselt schnell – selbst im Sommer. Immer Regenjacke, Mütze und eine warme Schicht einpacken, egal wie blau der Himmel beim Start ist.
- Buchungen: Three Capes Track und der Overland Track sind kontingentiert und früh ausgebucht – rechtzeitig über die Parks-Website reservieren.
- Parkgebühren: Für die meisten Nationalparks ist ein Parks Pass nötig; ein Holiday Pass lohnt sich ab wenigen Tagen.
- Anreise: Ein Mietwagen ist praktisch Pflicht – die schönsten Startpunkte liegen abseits öffentlicher Verbindungen. Zum Dove Lake und auf manche Tracks geht es nur per Shuttle.
- Sicherheit: Trage dich in die Logbücher an den Trailheads ein, nimm ausreichend Wasser mit und plane den Rückweg vor Einbruch der Dunkelheit.
Fazit
Fünf Wanderungen, fünf Gesichter Tasmaniens: der Postkartenblick über die Wineglass Bay, der Nervenkitzel auf der Felsnadel von Cape Hauy, die alpine Wucht des Cradle Mountain, die stille Größe des Three Capes Track und der märchenhafte Regenwald an den Russell Falls. Egal, ob man nur einen Nachmittag oder gleich vier Tage Zeit mitbringt – die Insel macht es Individualreisenden leicht, ihren eigenen Lieblingsweg zu finden. Am besten packt man die Wanderschuhe schon beim Kofferpacken ganz nach oben.